Projektidee

 Wer im Glashaus sitzt …

 

... sitzt heute im Trockenen und morgen – vielleicht – inmitten von Scherben.

... kann alles sehen, was da draußen ist, und wird von allen gesehen – auch in der Nacht.

... kratzt an Scheiben, Verse zum Beispiel, wenn Papier gerade rar ist – oder das Leben es fordert.

 

 

Annette von Droste-Hülshoff ist den meisten nur als adliges Stiftsfräulein mit Hang zur fein-sinnigen Poesie bekannt. Als biedermeierliches Stück unserer heimisch-regionalen Schriftkultur wurde sie über viele Generationen konserviert.

 

Erst seit einigen Jahren rückt auch ihre Modernität in den Fokus, werden ihre Texte neu interpretiert und mit Blick auf heutige gesellschaftliche und individuelle Herausforderungen weitergedacht – so auch im Rahmen dieser Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe, in der 21 Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Disziplinen bekannte und weniger bekannte Droste-Räume und Motive medial transformieren.

 

Das Projekt will den Fragen nachspüren, die auch Annette von Droste-Hülshoff umgetrieben haben: Wie gehen wir um mit dem Anderen, das uns von außen zu bedrohen scheint – und mit dem, das uns selbst innewohnt? Wie fragil ist das Haus, das wir Heimat nennen? Wer darf Grenzen überschreiten – im Flug, am Boden oder zu Wasser? Wer verbrennt sich die Flügel, verliert den Boden unter den Füßen oder versinkt in den Fluten? Was sind das überhaupt für Grenzen, die für die einen durchlässig und für die anderen wie Wände aus Stahl und Beton sind? Wie kann man Räume und (vermeintlich) Festgefügtes neu gestalten, transformieren, öffnen in alle Richtungen – ohne dass alles zerbricht oder konturlos wird? Wie lässt sich eine Ordnung überwinden, die auf (struktureller) Gewalt basiert, und ein anderes Spiel eröffnen, bei dem niemand auf der Strecke bleibt, weil mit dem falschen Geschlecht, Glauben, Pass geboren?

Prof. Dr. Rita Morrien

 

 

"Und das Herz, dies kleine Klümpchen Erde

Hat doch für die ganze Schöpfung Raum!"

 Annette von Droste Hülshoff